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Legends
Rubrik: Rezensionen

Von: Alarion

Datum: 04.03.02 10:52


Allgemeine Infos:

 

Legends ist ein Fantasy-Rollenspiel mit strategischen sowie Rollenspiel-Elementen. Das seit über zehn Jahren weltweit gespielte Legends wird im deutschsprachigen Raum von der SSV Graz Klapf-Bachler OEG angeboten. Entsprechend ist die Aufmachung mit Basisinfos in Englisch, wobei jedoch alle wichtigen Texte, Legenden und Abenteuer ins Deutsche übersetzt sind, sodass man Legends problemlos auch mit sehr geringen Englischkenntnissen spielen kann.

 

Die Partien laufen in einem zweiwöchigen Rhythmus (die Startphase wird ca. vier Monate lang mit einem einwöchigen ZAT beschleunigt). Dieser ZAT ist pro Spieler individuell - kommt man mal nicht zum Ziehen, kann man den ZAT beispielsweise um drei Tage verschieben. Der nächste ZAT findet dann wiederum frühestens vierzehn Tage später statt.

 

Legends baut auf dem Regelwerk auf. Dieses gut dreihundertseitige Werk muss man aber nicht intus haben, bevor man in eine Partie startet - ein Überblick reicht völlig, da man durch die vielfältigen Möglichkeiten und die Komplexität von Legends ohnehin erst im Spiel so richtig ein Gefühl dafür bekommt, was welche Bedeutung und Gewichtung hat. Das Regelwerk liefert die Grunddaten für eine bunte und enorm grosse mittelalterliche Spielwelt mit Unmengen an NSC's, Niederlassungen (von Dörfern bis zu Grossstädten mit mehreren tausend Einwohnern), Ruinen und Monster-Lagerstätten, Gilden und Märkten, Schiffen und den extrem seltenen fliegenden Wolkenburgen. Zusätzlich enthält es Informationen zum umfangreichen Kampf- sowie dem Magiesystem (fast 400 Zaubersprüchen in neun Disziplinen) sowie zu allen Befehlen, mit denen man seine Position in Legends steuert.

 

Auf dieser gleichbleibenden Basis setzen die einzelnen Module auf, von denen es bisher neun gibt. In den Modulen (teilweise über 100 Seiten an zusätzlichen Informationen) werden die Daten zur jeweiligen Spielwelt geliefert, von Reichen und Parteien, Rassen und Religionen, wichtigen Städten und Charakteren, der Entwicklung und dem Hintergrund. Auch die Spielziele und teilweise die zu erfüllenden Abenteuer sind darin beschrieben. Vieles muss allerdings erst im Spiel entdeckt und in Zusammenhänge gebracht werden.

 

Wo kriege ich Infos zu Legends:

 

Das Basis-Regelwerk wie auch verschiedene aktuelle Spielmodule kann man gratis von der SSV-Homepage downloaden (http://members.aon.at/postspiel/ - links geht es zu Legends, rechts zur SSV-Neuentwicklung Heldenwelt, einem auf Charakteren basierenden Fantasy-Rollenspiel). Ebenso findet sich dort u.a. eine Einsteigerbroschüre für Neulinge. Weitere Hilfe und Tipps kann man sich beim SSV, bei den fünf Mentoren (laut Liste auf der SSV-Homepage, fünf erfahrene Spieler, die Neueinsteigern je nach Bedarf umfangreiche Hilfe bieten) oder auf der Legends-Mailliste holen. Und wöchentlich kann man sich im SSV-Chat mit anderen Spielern und GM Klaus vom SSV unterhalten.

 

Start ins Spiel:

 

Etwa alle drei bis sechs Monate startet eine neue Partie. Hat man den guten Entschluss gefasst, da auch mal mitzuspielen, stellt sich die Frage der Aufstellungsart. Starken Einfluss auf das Spielgeschehen hat es, ob man als Regent, Söldner, Klan, Abenteurergruppe oder Held beginnt. Während die ersten beiden Positionsarten mit sechs bzw. vier Charakteren und einer kleinen Stadt mit einigen Soldaten sesshaft beginnen, sind die restlichen drei Positionsarten mit acht, sechs bzw. zwei Charakteren (je weniger, desto stärker) besser ausgerüstet und ungebunden, da sie ohne Bevölkerung oder Soldaten starten. Weiters legt man anfangs fest, welche Rassen und Religionen sowie Berufe (es gibt vierundzwanzig verschiedene) die eigenen Charaktere haben und wo in der Spielwelt man ungefähr aufgestellt werden will.

 

Zwei von vielen Varianten:

 

Nun gibt es - und das ist eine absolute Stärke von Legends - sehr viele Möglichkeiten, wie man vorgeht, das Spiel ist nicht zuletzt durch seinen enormen Umfang und seine Komplexität sehr variabel. Zwei Beispiele:

 

1) Man startet als Regent und beginnt sofort, seine kleine Position auszubauen. Man erobert schnell die ersten kleinen Nachbarortschaften oder übernimmt sie diplomatisch, wenn deren Besitzer in Rasse und Religion zu einem passen. Anfangs ist man der dritte Zwerg von links, nach und nach erwirbt man sich aber zusätzliches Prestige und damit Macht. Damit wachsen auch die eigenen Möglichkeiten, mehr Städte im eigenen Besitz ermöglichen mehr Produktion, Ausrüstung für zusätzliche Soldaten, die zur Verteidigung wie auch zur Ausweitung der eigenen Position dienen können. Allmählich wird man mächtig genug, um wichtige Charaktere anwerben zu können, Besitzer von Gilden, Märkten oder grossen Städten... dies ist die vor allem strategisch und wirtschaftlich aufbauende Schiene von Legends.

 

2) Man startet als ungebundener Held mit zwei stärkeren Charakteren. Anfangs wagt man sich schüchtern an die ersten kleinen Monster, gefährliche Kampfglühwürmchen und bissige Killerkarpfen. Allmählich wird man stärker, sowohl durch steigende Kampferfahrung wie auch bessere Ausrüstung durch die erbeuteten Gegenstände. Man wagt sich an Rote Drachen oder Basilisken, schliesslich sogar an Goldene Drachen oder ganze Monstergruppen in Ruinen. Gleichzeitig hält man Ausschau nach Abenteuern und individuellen Spielzielen, die man erfüllen kann. Dies kann der Meisterkrieger sein, der stärkste Krieger der Welt, der sich in drei aufeinanderfolgenden Clashes gegen eine Vielzahl von Konkurrenten durchsetzen muss, oder die Gründung einer neuen Religion mit Hilfe seltener, mächtiger Gegenstände, nachdem man auf schwierigen, verschlungenen Wegen zum Halbgott aufgestiegen ist (zwei Beispiele aus Crown of Chaos, dem sechsten Legends-Modul). Man kann nun, stark und gereift, weiter durch die Welt ziehen, oder an der Seite mächtiger Reiche in den Kampf um die Weltherrschaft und damit den Spielsieg eingreifen... dies ist die wesentlich stärker rollenspielerisch aufbauende Schiene von Legends.

 

Spieleinschätzung und Zeitaufwand:

 

Die Übergänge zwischen den obigen beiden Varianten sind fliessend, die verschiedenen Positionen ergänzen einander. Auch Regenten oder Söldner können allmählich mit ihren stärker werdenden Charakteren Monsterlagerstätten angreifen oder Abenteuer erfüllen, auch Klans, Abenteurergruppen oder Helden können sich Bevölkerung zulegen, sesshaft werden und ein kleines oder grösseres Reich aufbauen. Ebenso variabel ist der Zeitaufwand, den man für Legends investieren will. Während man mit einer Grossposition leicht vier oder mehr Stunden pro Zug für Planung, Zugabgabe und Koordination mit Verbündenen ansetzen kann, lässt sich Legends ebenso mit einer kleineren, deshalb aber nicht zwingend unwichtigeren Position mit geringem Zeitaufwand von ein bis zwei Stunden pro Zug spielen. So oder so, zusammen mit Parteikollegen, die man je nach Modul ab Spielbeginn hat oder die sich im Laufe des Spiels zusammenfinden, versucht man die feindlichen Parteien zu bekämpfen und die Spielziele zu erfüllen.

 

Dies ist neben dem Spiel selbst der zweite wichtige Aspekt für eine Menge Spielspass in Legends - die Kommunikation und Interaktion mit anderen Spielern. Man kann Legends problemlos alleine spielen, aber es gewinnt sehr durch Kooperation (mit alten Freunden oder auch Spielern, die man in der Partie neu kennenlernt), durch gemeinsame Planungen und Aktionen sowie dem Austausch von erhaltenen Informationen über die Spielwelt, die je nach Modul bis zu sechzig Rassen beinhalten kann, bis zu zwölf Religionen, bis zu hundert Legenden und weitere Texte mit Abenteuern sowie tausende Gegenstände, Städte und NSC. Genausoviel Spass kann es aber auch machen, einen guten Gegner zu bekämpfen, seine Aktionen vorauszusehen und entsprechend zu agieren oder auch mal blindlings in eine Falle zu tappen und sich wieder aufzurappeln.

 

Legends ist nicht sehr glücksabhängig. Man hat als Spieler viele Möglichkeiten und kann z.B. das scheinbar unbesiegbare Heer der Feinde mit einer zum richtigen Zeitpunkt gezauberten magischen Barriere in einer für sie ungünstigen Waldprovinz aufhalten, deren Hauptkommandanten mit dem eigenen Barden massiv verfluchen und dann mit den eigenen Truppen und dem hochgesegneten Superkommandanten erfolgreich angreifen. Allerdings kann es auch sein, dass der Feind Gegenmassnahmen getroffen hat, die das Blatt wiederum wenden. Kurz gesagt - Legends bietet immer wieder Überraschungen und man lernt nie aus, es gibt immer wieder Neues und Unbekanntes - eine weitere Stärke des Spiels!

 

Erstellung des Spielzugs:

 

Noch ein Wort zum Spielzug - diesen kann man seit ein paar Jahren (Legends war früher ein reines Postspiel mit handschriftlicher Befehlsabgabe) mit dem LPE erstellen, dem Legends Programm Editor, einem Zugabgabe- und Datenverwaltungsprogramm, mit dem man seine Spielzüge komfortabel per Mausklick erstellen sowie die in den Spielzügen erhaltenen Informationen sammeln und mit Mitspielern austauschen kann. Dieser LPE hat noch einige Bugs, die nicht gravierend sind, aber gelegentlich doch lästig sein können. Dennoch hat er die Zugabgabe und die Datenverwaltung (automatische Karte, Sammlung fast aller im Spiel gefundenen Informationen, gute Suchfunktionen) enorm erleichtert.

 

Zusammenfassung - die Eckdaten zu Legends:

 

Kategorie: Fantasy-PbEM mit starken strategischen und Rollenspiel-Elementen

Anbieter: SSV Graz Klapf Bachler OEG (http://members.aon.at/postspiel/)

Mitspieler: pro Spiel max. 200, üblicherweise meist ca. 100

Sprache: Routineinfos in Englisch, wichtige Texte, Legenden etc. in Deutsch

Spielweise: per Email mit Zugerstellungs- und Datenverwaltungsprogramm LPE oder händisch per Post

ZAT: zweiwöchig (zur Startbeschleunigung ca. die ersten vier Monate einwöchig)

Dauer: ca. 60-80 Runden (2-3 Jahre)

Zugkosten: pro Spielrunde zwischen 5,80 und 12,80 Euro (abhängig von der Anzahl der gegebenen Befehle

LPE-Kosten: Shareware-Nutzungsgebühr einmalig 18,90 Euro

Stärken: Sehr komplex, aber nicht kompliziert zu spielen. Sehr variabel mit grosser Spieltiefe. Kommunikativ. Langanhaltender Spielspass. Die Spieler können teilweise bei neuen Modulen mitarbeiten bzw. Ideen einbringen.

Schwächen: Da Legends schon lange läuft und laufend weiterentwickelt wurde, sind im Spielablauf keine gravierenden Schwächen vorhanden. Einige Module haben die eine oder andere Schwäche im Design. Es gibt billigere Spiele - ausgezeichnete Qualität hat eben seinen Preis.

 

 

Mein abschliessendes Urteil:

 

Das wohl beste Fantasy-PbEM muss man unbedingt probiert haben! Wer noch nicht Legends gespielt hat, kann kaum als erfahrener Postspieler bezeichnet werden... ;)







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