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Continental Rail II
Rubrik: Rezensionen

Von: Henry Farham

Datum: 04.11.11 11:49


Das Spiel

Continental Rail 2 (CR2) spielt in den USA des 19. Jahrhunderts. Die 10-15 Spieler sind einerseits als Investoren tätig. Andererseits können sie bis zu zwei Eisenbahngesellschaften selber führen, wenn ihr Aktienanteil groß genug ist.

Bleiben wir vorerst bei der Rolle als privater Investor. Ein Spieler kann für Privatbahnen Gebote abgeben. Dabei muss er unter anderem auf die wirtschaftliche Attraktivität und die Ausbaufähigkeit der privaten Geschellschaft achten. In der Regel wird er sie bald in eine Aktiengesellschaft umwandeln oder mit einer Aktiengesellschaft fusionieren. Da er einen Teil der neuen Aktien behält, hat er gute Chancen, Eisenbahn-Präsident zu werden.

Im Weiteren kann der Spieler an der Börse mit Eisenbahn-Aktien handeln. Er kann Aktien, deren Kurs er für günstig hält, kaufen und sie später wieder verkaufen. Während der Haltezeit erhält er Dividenden. Er kann auch Aktien, die er für überbewertet hält, ungedeckt verkaufen. Schließlich kann er mit Aktienkäufen den Mehrheitsanteil an einer Eisenbahn anstreben, um so deren Präsident zu werden.

Für seine Investitionen setzt der Spieler sein Bargeld ein. Zusätzlich erhält er von der Bank einen Kredit. Die Kreditlimite richtet sich nach der Höhe des Vermögens und nach der Konjunkturlage.

Je mehr Geld ein Spieler scheffelt, umso besser sind seine Chancen in der Kategorie "Robber Baron". Diese bewertet das Vermögen des Spielers. Er kann aber sein Geld auch einem wohltätigen Zweck zukommen lassen und damit Punkte in der Kategorie "Rail Prodigal" sammeln.

Kommen wir nun zur Rolle als Eisenbahn-Präsident. Der Spieler, der diese Rolle erlangt hat, kann Befehle für seine Eisenbahn abgeben. Er kann unter anderem die Höhe der Dividende festsetzen. Er kann bestimmen, in welche Richtung die Strecken ausgebaut werden. Im Rahmen der Spielregeln kann er auch in die eigene Tasche wirtschaften, indem er überteuerte Bauaufträge vergibt.

Der aktionärsfreundlichste Präsident erhält die meisten Punkte in der Kategorie "Rail Mogul", der schnellste Streckenbauer in der Kategorie "Rail Builder" und der Präsident, der die meisten Gebiete befährt, in der Kategorie "Rail Magnat".

Oberstes Ziel des Spiels ist es, in der Kategorie "Rail Baron", einer Kombination der oben beschriebenen fünf Kategorien, die meisten Punkte zu erlangen.


Das Negative

Leider kommt es gelegentlich zu Auswertungsfehlern. Diese werden zwar durch Neuauswertungen korrigiert, sind aber trotzdem ärgerlich. Doch man kann wohl bei einem Preis von nur EUR 17,- für ein ganzes Spiel (mindestens 21 Runden) keine Perfektion erwarten.


Das Positive

Man wartet mit Spannung auf jede Auswertung. Es gibt immer Überraschungen. Auch der ertragreichste Streckenabschnitt ist irgendwann zu teuer, sodass nicht unbedingt der Meistbietende die besseren Karten hat. Hohe Bankkredite können das Vermögenswachstum beschleunigen, bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch aber verheerende Folgen haben.

Natürlich streben alle Spieler gute Platzierungen in den Siegeskategorien an, aber allein das Mitwirken an der langsamen Ausbreitung des Streckennetzes über die ganzen USA ist eine Freude. Man hat das Gefühl, gemeinsam an einer neuen Geschichte zu schreiben.


Wen könnte es interessieren?

Ich kann das Spiel all jenen empfehlen, die eines der vielen Eisenbahnspiele mögen und keine Zeit oder Lust haben, sich mit anderen Brettspielern zu treffen. Wie alle E-Mail-Spiele hat CR2 gegenüber Brettspielen die Vorteile, dass es jederzeit gespielt werden kann, dass man für einen Zug mehr Zeit hat und dass Geheimdiplomatie möglich ist. (In CR2 kann man es allerdings auch ohne Diplomatie recht weit bringen.)

Ganz besonders geeignet ist CR2 für ehemalige Postspieler, die Railway von Peter Stevens Postspiele nachtrauern. CR2 hat die gleichen Regeln wie Railway und noch einige zusätzlichen. Peter ließ manchmal Regeln weg, um die Spiele zu vereinfachen. Einige Elemente in CR2, etwa die Technologien, mögen tatsächlich überflüssig sein. Insgesamt ist CR2 aber noch interessanter als Railway, weil das Glück eine kleinere, das Können eine größere Rolle spielt.

Schließlich dürften auch erfahrene Pbem-Spieler an CR2 Gefallen finden, wenn Sie nach einem reinen Wirtschaftsspiel ohne Kampfhandlungen und Fantasy-Elemente suchen.







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